Kommunikation in Gang setzen

Liebe Schülerinnen und Schüler,

sehr geehrte Eltern und Erziehungsberechtigte,

diese Übersicht über die Inhalte des Faches Deutsch möchten wir mit einem Gedicht von Hans Magnus Enzensberger beginnen, der uns augenzwinkernd daran erinnert, dass die wahre Kraft der Sprache nicht in Effekten, Farben oder digitalen Zugaben liegt – sondern in den wenigen Zeichen, aus denen sich Welten formen lassen: Buchstaben.

 

Hans Magnus Enzensberger (geb. 1929)

Altes Medium

Was Sie vor Augen haben,

meine Damen und Herren,

dieses Gewimmel,

das sind Buchstaben.

Entschuldigen Sie.

Entschuldigen Sie.

Schwer zu entziffern,

ich weiß, ich weiß.

Eine Zumutung.

Sie hätten es lieber audiovisuell,

digital und in Farbe.

 

Aber wem es wirklich ernst ist

mit virtual reality

sagen wir mal:

Füllest wieder Busch und Tal,

oder: Einsamer nie

als im August, oder auch:

Die Nacht schwingt ihre Fahn,

der kommt mit wenig aus.

 

Sechsundzwanzig

dieser schwarz–weißen Tänzer,

ganz ohne Graphik–Display

und CD–ROM,

als Hardware ein Bleistiftstummel –

das ist alles.

Entschuldigen Sie.

Entschuldigen Sie bitte.

Ich wollte Ihnen nicht zu nahetreten.

Aber Sie wissen ja, wie das ist:

Manche verlernen es nie.

(1995)

 

Gerade heute, wo die mediale Welt vielfältig, schnell und manchmal überwältigend ist, möchten wir das „alte Medium“ Buch lebendig halten – als Raum für Vorstellungskraft, für kritisches Denken und für den Dialog miteinander.

Enzensberger erinnert uns daran, dass Literatur und Sprache aus „wenigen Zeichen“ bestehen – und doch Welten eröffnen und damit auch den Blick auf die eigene Welt schärfen.

Genau darum geht es in unserem Unterricht: Sprache entdecken, erproben und gestalten – in Geschichten, in Gedichten, in Dramen, in Debatten und in eigenen Texten.

Im Unterricht wollen wir die Kraft der Sprache erfahrbar machen. Wir lesen und deuten Literatur, lernen ihre Erzähl- und Ausdrucksformen kennen, hinterfragen ihre Kontexte und aktualisieren ihre Themen für unsere Gegenwart. Dabei begegnen wir Werken der klassischen und modernen Literatur ebenso wie anderen medialen Formaten – vom Theater über Film bis hin zum Podcast.

Doch nicht nur das Lesen steht im Mittelpunkt: Auch das eigene Schreiben, Sprechen und Argumentieren rückt in den Fokus, sei es in Interpretationen, Erörterungen oder Debatten. Damit bereiten wir uns auf die Anforderungen der Oberstufe vor – und noch wichtiger: auf den bewussten und selbstbestimmten Umgang mit Sprache in Alltag, Studium, Beruf und Gesellschaft

Im Fach Deutsch geht es daher nicht nur um Grammatik oder Interpretationen, sondern um Haltungen: kritisches Denken, Wirkung der Sprachverwendung, Respekt vor Vielfalt, aber auch grundsätzlich Freude am Sprechen, Lesen und Schreiben. Wir begleiten unsere Schülerinnen und Schüler ein gutes Stück ihres schulischen Weges – vom Ankommen in Klasse 5 über die Vorbereitung auf die gymnasiale Oberstufe am Ende der 10. Klasse bis zum Abitur.