Schulinternes Curriculum für die Oberstufe

In der Oberstufe werden zahlreiche Inhalte der Mittelstufe noch einmal aufgenommen; um eine reine Wiederholung geht es dabei allerdings nicht. Stattdessen geht verstärkt es darum, herauszufinden, auf welche Weise und mit welchen Methoden man die Vergangenheit wieder zum Sprechen bringen kann.

Hierzu zählen:

  • Analyse und Interpretation historischer Quellen (u.a. Berichte, Tagebucheinträge, Akten, Briefe, Reden, Gräber und Grabinschriften, Mosaike, Karten, Gemälde, Karikaturen, Statistiken, Gebäude, mündliche Zeitzeugenberichte)
  • Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Darstellungen
  • kritisches Hinterfragen von Schulbuchtexten
  • Untersuchung von Zeugnissen der Erinnerungskultur (Spielfilme, Romane, Denkmäler und Gedenkstätten, Feiern usw.)
  • Methoden zur Visualisierung historischer Entwicklungen – auch als eigene Lernhilfe
  • Formulierung eigener historischer Urteile

Inhaltlich geht es in den einzelnen Kurshalbjahren um Folgendes:


1. Semester: „Die Grundlegung der modernen Welt in Antike und Mittelalter“

Die Welt der Griechen und Römer, die Welt der Ritter und aufstrebenden Handelsstädte – alles lange vergangen? Weit gefehlt! Wenn man genauer hinschaut, entdeckt man, wie viel in der Antike und im Mittelalter bereits vorgedacht, manchmal sogar direkt weiter getragen wurde. Mit diesem „Erbe“ wollen wir uns im ersten Semester genauer beschäftigen, u.a. mit folgenden Fragen:

a) Die attische Demokratie – eine zufällige Entwicklung?

b) Die römische Republik – Friedensbringer oder Verderber des Erdkreises?

c) Die mittelalterliche Stadt – eine Gemeinschaft der Gleichen und Freien?

 

2. Semester: „Die Entwicklung moderner Strukturen in Staat und Gesellschaft in der frühen Neuzeit“

Zwischen dem 14. Jahrhundert und 1850 verändert sich die mittelalterliche Welt langsam – aber grundlegend. Am Ende dieser Epoche hat sich in vielen Bereichen bereits die Welt entwickelt, die wir heute kennen. Diese Entwicklung soll in diesem Semester nachgezeichnet werden – u.a. an folgenden Themen:

a) Das absolutistische Königtum im 17. Jahrhundert – Geburtsstunde des modernen Staates?

b) Die „Aufklärung“ - eine grundlegende Befreiung des Menschen?

c) Bürgerliche Revolutionen im 17. und 18. Jahrhundert – Freiheit und Gleichheit für alle?

d) Die deutsche Revolution von 1848 – ein Misserfolg?

 

3. Semester: „Demokratie und Diktatur in der Zwischenkriegszeit“

Am Anfang des 20. Jahrhunderts stellt die „Urkatastrophe“ des Ersten Weltkriegs den Fortschrittsglauben vorangegangener Zeiten erstmals radikal infrage. Nach Kriegsende stellt sich u.a. die Frage, wie politische Probleme in Zukunft gelöst werden sollen: Im demokratischen Kompromiss – oder in (linken oder rechten) Diktaturen, in denen das Individuum keine Rolle mehr spielt?

Genauer untersucht werden soll dies u.a. an folgenden Themen und Gegenständen:

a) Die Weimarer Republik – zerstört oder gescheitert?

b) Die Sowjetunion – Terroregime oder die Verwirklichung einer gesellschaftlichen Utopie?

c) Deutschland unter dem Nationalsozialismus – historischer Sonderfall oder ein „deutscher Faschismus“?

d) Die Ermordung der europäischen Juden

 

4. Semester: Deutschland und die bipolare Welt nach 1945

Vor kurzer Zeit wurde der 25. Jahrestag des Mauerfalls gefeiert; es scheint, als gehöre die Weltordnung des „Kalten Krieges“ endgültig der Vergangenheit an. Doch wie kam es eigentlich zur Teilung Deutschland und der Welt? Und ist diese Vergangenheit wirklich vergangen? Insbesondere die letzte Frage stellt sich angesichts von Ukraine-Krise oder der Diskussion um die Partei „Die Linke“ in besonderem Maße. Mögliche Themen und Gegenstände sind:

a) Die Spaltung Deutschlands – Ergebnis der amerikanischen Außenpolitik?

b) Die DDR - „Sozialparadies“ oder Unrechtsregime?

c) Der Zusammenbruch der DDR 1989/1990 - „Wende“ oder (friedliche) Revolution?

d) Der Umgang mit der DDR-Vergangenheit nach 1990

 

Historische Längsschnitte:

Neben den beschriebenen Schwerpunkten wird in den einzelnen Semestern der Entwicklung besonderer Gegenstände auch über einen längeren Zeitraum nachgegangen (z.B. Frauen in der Geschichte; Sterben und Tod in Vergangenheit und Gegenwart, antike und moderne Mythen, jüdische Geschichte).

 

Exkursionen und Kursfahrten:

Gerade im Raum Berlin hat die Geschichte der vergangenen acht Jahrhunderte zahlreiche Spuren hinterlassen. Diesen Spuren wollen wir mindestens einmal im Semester an außerschulischen Lernorten nachgehen (z.B. Altstadt von Bernau oder Spandau, Schloss und Park Sanssouci, Friedhof der Märzgefallenen in Berlin-Friedrichshain, Topografie des Terrors, Haus der Wannseekonferenz, Gedenkstätte Berliner Mauser, ehemaliges Stasi-Gefängnis in Hohenschönhausen).

Nach Möglichkeit machen wir auch Kursfahrten – das hängt allerdings ganz wesentlich von der Bereitschaft des Kursleiters ab.

 

Zentrale Abiturprüfung:

Im Fach Geschichte gibt es ein Zentralabitur. Das führt auch dazu, dass bestimmte Schwerpunktsetzung für die Unterrichtsgestaltung von der Senatsschulverwaltung vorgegeben werden.

Das Schulinterne Curriculum als PDF-Datei: